Das Kunstwerk

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Ja, so eine Geschichte erlebt man nur einmal im Leben.

Vor ein paar Tagen lief Herr M. an einem Kunstatelier vorbei und enteckte hinter dem Schaufenster etwas unglaubliches. Ein Ölgemälde, welches seine "entfernt-bekannte-Ex-alte", wie er sie immer liebevoll nennt, mit ihrer Freundin abbildete. Und darunter ein kleines weißes Schild mit kleinen Ziffern. 2200,- €. Wie sich später herausstellte, knipste eine renomierte Künstlerin aus Spanien, welche in Bregenz zu Besuch war, heimlich ein paar Fotos, von denen dann zwei auf Öl gemalt wurden.

Herr M. trat mit der Künstlerin per Email in Kontakt. Die Künstlerin stellte ihm eine digitale Version des Ölbildes zur Verfügung und versprach ihm, dass er das Original fast um die Hälfte bekommen würde, wenn er es bei ihr direkt kaufen würde. Ich machte Herr M. das Angebot, das digitale Bild bei uns ausplotten zu lassen. Das wäre um einiges günstiger. Herr M. fand das eine gute Idee und ich schickte es in die Produktion. Gleichzeitig schrieb er seiner entfernt-bekannten-Ex-alten, dass er ihr das Bild kaufen würde. Das war natürlich nur ein Vorwand, um sie vom Kauf abzuhalten. Nicht das sie noch auf die Idee kommen würde, für das Bild tatsächlich über zweitausend Euro hinzublättern und er dann mit dem Plott aufkreuzen würde. Mit ihrer Reaktion hatte er aber nicht gerechnet. Sie machte einen riesen Aufstand. Ob er denn total übergeschnappt sei. Er könne doch nicht soviel Geld für so ein scheiß Bild ausgeben. Sie tobte. Sie rief an und kreischte ins Telefon. Sie warnte ihn mit eisiger Stimme und schimpfte mit Morddrohungen. Doch Herr M. ließ nicht locker. Er würde ihr das Bild kaufen, sie könne nichts dagegen unternehmen.

Inzwischen war der Plott fertig und lag zusammengerollt auf meinem Schreibtisch. Doch Herr M. hatte mittlerweile keine große Freude mehr. Seine entfernt-bekannte-Ex-alte rief ihn fast jede halbe Stunde an, schrieb Morddrohungen per SMS und Mail. Und sie machte das so lange, bis er sauer wurde, er ihr alles erklärte und somit den ganzen Überraschungseffekt verpatze. Dass er ihr ein Plott schenken wollte und es ihr nur gesagt habe, damit sie kein Geld für das Original ausgeben würde.

Wie bei Frauen üblich, beruhigte sie sich innerst Minuten und fand das alles plötzlich eine wunderbare Idee. Herr M. war nun angefressen. Alles umsonst. Er würde den Plott verbrennen, schrieb er mir. Die Alte kriegt ihn auf jeden Fall nicht mehr.

Im Studio rollte ich den Plott noch einmal auf und sagte Herr M., er soll ihn wenigstens einmal aufhalten, damit ich ihn fotografieren konnte. Denn ich fand das eine prima Story. Wie oft sieht man sich denn schon gemalt hinter einem Schaufenster? Und dann bekommt man das Abbild auch noch als Plott geschenkt. Ist zwar nicht das Original, aber auch schön. Allerdings würde SIE den Plott nicht bekommen. Schließlich brachte sie ihn zur eskalierten Weißglut und sein ganzer Coup ging in den Arsch.

Naja, ist wohl das typische Katz-Mausspiel zwischen der entfernt-bekannten-Ex-alten und dem komischen Kauz Herr M., dachte ich mir.

Und wenn sie immer noch herumzicken, dann liegt der Plott noch heute auf dem Kasten von Herrn M.

Nachtrag: Nachdem unter anderem die abgebildeten Personen nicht damit einverstanden waren, ihre Gesichter in diesem Blog zu zeigen, hab ich diese nun unkenntlich gemacht. Ist mein Fehler, ich hätte zuerst fragen sollen.


Solverat | 19. January 2007 | - Kategorie: History | Tags:, ,



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