Black Monday

Nach langem warten und bangen bin ich schließlich doch zurückgekehrt. Und heute mit speziellem Anlass. Wie ich aus zuverlässigen Quellen weiß, ist heute ein schwarzer Tag für viele von uns gewesen. Ich hatte heute so einen verdammt miesen Tag, sodass ich ihn euch mitteilen muss.

Begonnen hat diese Misere um 6:15 Uhr morgens, als ich aus einer traumlosen und kurzen Nacht erwachte. Kurz gesagt ich schlief wieder ein, was dazu führte, das ich wieder mal zu spät kam. Als ich mich anschnallen wollte, wurde mir wieder klar, dass meine Schultern total zerstört waren (Danke noch mal Ste, dass du am Samstag soviel Rücksicht genommen hast, deine Kameradschaftlichen Freundschaftsschläge mal nicht auf meinen Schultern auszutragen.) Als ich in der Firma ankam und mich trägen Schrittes den Toren der Verdammnis näherte, ahnte ich schon, dass heute ein schrecklicher Tag werden würde.
Nun, ich begab mich trotzdem an meinen Arbeitsplatz. Ich trank hässlichen Pulverkaffee aus einem Automaten, ich hasse das Ding, aber besser als Wasser ist es allemal. Unmittelbar danach kam mir das erste Problem entgegen. Paul, unser inkompetenter Einkäufer. Er hatte Wind davon bekommen, dass ich die Stücklisten für unser Produkt aktualisieren sollte. Es war die Gelegenheit für ihn, mir seine Vorstellungen des Ganzen kundzutun. Darauf hätte ich verzichten können, es dauerte den halben Vormittag und zum Schluss verließ ich den Raum mit den Worten „Weißt was? Mach dein Scheißdreck selber, ich hab kein Bock mehr, dein Hampelmann zu spielen!“
Der Vormittag war schon beinahe um als mich ein nervtötendes Geräusch aus meinem Wachkoma vor dem Firmen- PC riss. Es war das Abteilungstelefon, auch das Ding hasse ich wie die Pest. Wie erwartet, war der Serviceleiter an der anderen Leitung und ich meldete mich scherzhaft mit „Kummernummer“ so wie ich es immer mache. Er klang recht ernst im Gegensatz zu sonst, er erzählte mir irgendwas von Außendienst und das ich da möglichst bald mal hin sollte, weil die ihre Maschinen in Betrieb haben wollten. Ich schrieb eifrig mit und meine Miene verdunkelte sich mit jedem Punkt der Liste der Dinge die ich zu erledigen hatte.
Toll, wieder mal ein Job den ich eigentlich nicht machen müsste. Aber außer mir macht es ja keiner mehr. Na schön, ich hatte mich damit abgefunden, dass ich ins Freie musste. Ich machte mich auf den Weg, meinem Fabriksleiter zu sagen, dass ich für die restliche Woche weg sein würde. Er war irritiert und sagte dass ich das nicht müsste, der Service Fuzzie wäre dafür zuständig.
Meine Stimmung hob sich ein wenig als ich ihn sagen hörte, dass er mit ihm telefonieren wolle um das mal „abzuklären“.

Ich drehte mich frohen Mutes um und ging wieder Richtung PC, als er mir nachstiefelte und sagte, dass es aber eine weitere Montagebaustelle gäbe. Ich drehte mich um, schaute ihn an und fragte ob das sein Ernst sein würde. Er meinte dass ich das ja miteinander kombinieren könnte, es wäre nicht so viel.
Soviel dazu, ich werden diesem Scheißtypen nichts mehr erzählen, der macht ja alles nur noch schlimmer mit seiner Klugscheißerei. Ich ging also zu meinem Arbeitsplatz um die Montagetermine abzumachen, telefonierte mit Bergbauern die nicht mal richtig ein Telefon bedienen konnten.
Meine Laune war am Tiefpunkt angelangt, ich hatte gegen Mittag so eine Wut, dass ich nichts essen wollte. Ich saß vor dem PC und stierte in den Bildschirm, während ich mir überlegte, warum ich zu dieser Firma zurückkam. Warum ich diesen Job wieder annahm. Es war Geld, leere Versprechungen und ähnliches, das wurde mir allmählich klar.
Und dann kam auch schon wieder unser Einkäufer zu mir, mit einer Akte in der Hand, welche er an die Firmenleitung senden wollte. Ich sagte ihm, dass er mich zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt erwischt. Er sagte, dass ihm das eigentlich relativ egal sei. Geil.
Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo das nächste Arschloch her.

Meine Laune war am absoluten Südpol. Mein Arbeitskollege versicherte mir, dass er mich doch schon einen Weile kennen würde und das er mich noch nie so gesehen hatte. Nicht mal kurz bevor ich damals kündigte.
Fünf Minuten vor Feierabend ging es mit meiner Stimmung langsam wieder aufwärts. Ich bewegte mich Richtung Ausgang. Alles schien ok. Ich war gerade beim Hauptausgang angelangt, als mich der Fabriksleiter noch mal zu sich rief. Ich parierte so wie immer. Er fragte mich ob ich schon was von den Montageterminen wüsste. Ich sagte ihm, dass ich Dienstag oder Mittwoch gehen würde, je nach Wetterlage. Ich muss mich ja nicht unbedingt beim größten Sauwetter rausstellen. Und ich sagte ihm noch, dass ich den zweiten Ort an einem anderen Tag der Woche aufsuchen würde. Der Herr Fabriksleiter aber meinte, ich könnte das doch einfach kombinieren. Leicht energisch versuchte ich ihm zu erklären, dass ich alleine für eine Baustelle fünf Stunden Fahrt rechnen muss. Ohne das ich irgendwas gearbeitet habe. Er meinte, dass länger arbeiten noch keinem geschadet habe. (ich habe in drei Monaten 200 Überstunden gehortet!). Ich schäumte vor Wut, wendete mich ab und ließ mit einem kalten Lächeln ein Guten Abend über meine Lippen gleiten. Black Monday!

Wisst ihr, manchmal verstehe ich die Typen, die mit ihrer geladenen Schrotflinte durch die Firma laufen und die Gesichter ihrer Mitarbeiter in Cevapcici verwandeln. Wenn man viele solcher Tage hinter sich hat, kann ich das verstehen, wirklich. Wo war ich, ah ja genau Waffenschein Antrag ausfüllen…


Solverat | 12. February 2007 | - Kategorie: History | Tags:, ,



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