Der Inder und der Inder

Der Inder war wieder da.

Diesmal hatte er aber einen weiteren Landsmann dabei. "Ahh, Meihster!" begrüßte er mich. Er schaute zu seinem Kollegen, zeigte mit dem Finger auf mich und sprach etwas auf seine Sprache. Eine schöne Sprache. "Maine Kollega braucht auch Visitenkarten!" sagte er. "Kannsta du das mahchen?" "Klar!" grinste ich.

Die Visitenkarte war schon fast fertig, als Herr Semsetin mein Büro betrat. Interessiert stützte er sich auf meinem Schreibtisch ab und horchte zu. Nach ein paar Minuten hielt er es nicht mehr aus. Er musste einfach mitreden. Er sah, dass diese Inder mit Autos handelten. Und wer konnte da nicht besser mitreden, als Herr S. himself. "Verkaufsch du Auto?" fragte er unverblümt. Der Inder, der ihn das letzte mal schon sehr überrascht ansah, schüttelte den Kopf. "Eigentlich nur Ankauf!" Herr S. ließ sich nicht beirren. Er zeigte mit dem Finger auf mich. "Der da braucht neue Auto!" sagte er und lachte. Der Inder sah mich an. "Verkaufst du Auto?" "Äh, nein. Ich verkaufe nicht!" Ich seufzte. Na toll. Jetzt stand ich wieder zwischen zwei Sprachbarrieren, welche die ganze Zeit aneinander vorbeiredeten.

"Ich brauche ein Auto. Ich verkaufe keines!" sagte ich. Der Inder war aber nicht mehr zu bremsen. Er war in seinem Element. Er machte das, was er vermutlich am besten konnte. Autoverkäufer über´s Ohr zu hauen. Obwohl sie gar kein Auto verkaufen wollten. "Was hahsta du für eihn Audo?" fragte er. "Ein weißer S…." Ich sprach nicht weiter. Er war gut, beinahe hätte ich ihm verraten, was ich für eine Mühle besitze. Ich würde noch mit dem Bus nach Hause fahren, dachte ich mir. Der schafft es tatsächlich noch, mir mein Auto unterm Arsch wegzuscharren. "Nein, ich verkaufe nicht. Ich S-U-C-H-E ein A-U-T-O!" Der Inder blitzte. "Wieh a viel Kilometehr?" Das gibts doch nicht. Herr S. grinste.

Ich griff in meine Tasche. Gut, mein Autoschlüssel war noch da. Vielleicht konnte der Inder Menschen auch hypnotisieren und sie dann gefügig machen. Man weiß das ja nicht so genau. Der zweite Inder war inzwischen mit dem Visitenkartenlayout zufrieden. "Guhta. Icha bringe morgen noch zwhai andere Kollegas vorbei. Brauchen auch noch." Ich schmunzelte, behielt den anderne, autogeilen Inder aber stets im Auge.

Als ich sie hinaus begleitete, schielte ich aus dem Fenster auf den Parkplatz, wo meine kleine Rostlaube fröhlich vor sich hin stand. "Sie kriegen dich nicht!" dachte ich ihr aufmunternd zu.


Solverat | 13. February 2007 | - Kategorie: History | Tags:, ,



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