a bissl Fasching muss sein

Ok. Ich habe gespottet über Fasching, ich spotte immer noch über Fasching. Doch als ein verzweifelter Herr M. mir am Telefon erklärte, dass sein Boss ihm eine Karte für einen Faschingsball geschenkt habe, konnte ich ihn nicht alleine lassen.

Also überlegte ich ein paar Stunden vorher, was ich mir umwerfen könnte. Verkleidung war Pflicht auf diesem Ball. Ich dachte an etwas unlustiges und doch originelles. Etwas nicht-Fasching typisches, etwas zynisches und Spass verderbendes. Herr M. hatte dann die passende Idee: Dr. House.

Ein rotes T-shirt mit irgendeinem Bandnamen, ein blaues Hemd, welches unordentlich in die Hose gestopft wurde, ein Jackett, Jeans und Turnschuhe. Dazu ein Namensschild und eine Dose Vicodin. Zum Abschluss das wichtigste: Der Gehstock. Schnell noch ein paar Sprüche auf Fanseiten auswendig gelernt und fertig war das perfekte Double von Dr. House. Vielleicht zu perfekt.
Herr M. hatte, genau wie ich, keine Lust auf das Faschingstheater und somit auch keine passende Kleidergarderobe. Er war am Vortag in eine Whiskeysauferei verwickelt und sah dementsprechend zerstört aus. Er zog sich also etwas gestreiftes über, klebte sich ein Pflaster ins Gesicht und et voilà, fertig war der psychisch und physisch angeschlagene Patient von Dr. House.

Wenn man auf einen Ball in einem kleinen Dorf geht, dessen Thema "Eine Nacht im All" lautet, sollte man vorher ein wenig überlegen, als was man sich verkleidet. Niemand kennt auf so einem Ball Dr. House. Was zur Hölle hatte auch ein Dr. House auf einem Ball zu suchen? Gute Fragen eigentlich. Doch diese Fragen hätte auf diesem Ball keiner beantworten können. Denn alle hätten sich die ein und dieselbe Frage gestellt. Who the fuck is Dr. House?

Die Blicke, welche ich empfing, waren mehr als bemitleidend. Ich konnte es durch ihre verschmierten Fratzen sehen. Zuerst sahen sie mir ins Gesicht, vielleicht dachten sie, ui, denn kenne ich doch woher. Dann schauten sie tiefer und sahen den Stock. Der geht am Stock, der Arme, haben sie sich dann vielleicht weiter gedacht. Und dann viel ihr Blick auf das Namensschild. Ihr Blick wurde ein wenig dunkler, um den Namen zu entziffern, was aber nichts brachte, Dr. House sagte ihnen nichts. Also zogen sie weiter, ohne auch einen kleinsten Grinser. Geschafft. Ich hatte ihnen die Faschingsfröhlichkeit geraubt.

Fazit:

"Du verkleidest dich nicht als Dr. House. Du ahmst ihn perfekt nach." sagte Herr M. "Die wissen nicht, dass du verkleidet bist!" Ich lachte und schmiss mir eine Tablette Vicodin (Gefakt natürlich. Harmlose Bonbons.) ein und stütze mich auf den Stock. "Auch recht."

Gesehen? Auf dem Namensschild erkennt man Dr. House und mich gleichzeitig. Hab ich das nicht gut gemacht?

Nachtrag:

Der Rastertyp ist der Boss von Herr M. Auf seinem T-Shirt steht "Buzvarukt", was soviel heißt wie: "Total verrückt".
Der weiße Typ ist der weise Helge. Ich dachte zuerst an Jesus, sich als weiser Helge zu verkleiden ist aber natürlich auch nicht schlecht.


Solverat | 21. February 2007 | - Kategorie: History | Tags:, ,



Verwandte Beiträge: