Kaufzwang

Seit Monaten, besser gesagt seit Jahren bestelle ich Dinge aus dem Internet. Spielzeug, CD´s, Filme, wieder Spielzeug, und, und, und…
Das ist einfach, unkompliziert und fein unpersönlich. Man muss die Person hinter der Kassa nicht anschauen, man befindet sich in nie in einer Warteschlange und der Schweiß der, dicht gedrängter Kaufpassanten belästigt einen auch nicht.
Doch niemals, niemals bin ich auf die Idee gekommen, Kleidung im Netz zu kaufen. Ok, das ein oder andere exotische, dafür überteuerte Shirt kam schon mal per Post, die Standardwäsche kaufte ich bisher aber immer mühselig in hässlichen Läden.

„Ich hasse es! Eine Stunde Fahrt, Stau und Hitze, und dann finde ich außer ein paar pinke Schwuggenhemden rein gar nichts.“ schimpfte ich vor ein paar Tagen. Höchstens alle 2 Monate überrede ich mich, endlich mal etwas neues zu kaufen, ich schiebe es aber immer wieder vor mir her, denn es gibt für mich nichts unwichtigeres als Kleider zu kaufen. Und wenn dann dieser Tag gekommen ist, läuft alles schief. Dann hat es eine Hitze, der Feierabendverkehr drückt auf die Pelle und zu allem Überdruss leuchtet auch noch die Tankanzeige. Der Hass auf mein Vorhaben steigt wieder von Minute zu Minute.

In den gekühlten Hallen suche ich dann verzweifelt nach etwas brauchbaren. Ein schwarzes T-Shirt vielleicht. Eine Jeans wäre auch nicht schlecht. Meine alte stinkt mittlerweile sogar nach dem Waschen. Doch jedesmal verlasse ich den Laden, kochend, mit Mordgedanken an die Modeindustrie. Pinke Hemdchen, Wollpullover mit V-Ausschnitt, Leinenhosen und blaue Shirts. Und wenn es mal schön dunkel war, dann verzieren wunderbare Textzeilen wie Puta Madre, Athlet, Girlhunter oder sonstige lyrische Ergüsse in goldigem Stick die Brust. Zum Kotzen. Was für Schlampen,  Brusthaar-Fetischisten, Bräunungscreme-Benutzer und Diskogänger eine wahrer Fundgrube sein musste, entpuppte sich jede weitere Boutique für Mauerblümchen und Partyschreck wie mich als ein unbrauchbaren Fetzenladen.

Und so komme ich immer wieder wutentbrannt, gestresst und deprimiert nach Hause. Ohne neue Kleidung.

„Pf! Bestell den Dreck doch einfach bei Quelle!“ meinte Herr M. dann, als ich von dieser hoffnungslosen Mission erzählte. „Da bestellst, und was nicht passt, schickst du zurück.“ Mit zwei Finger zupfte er an seinem Shirt. „Da! Einfach den Online Katalog durchgeschaut und bestellt. Passt perfekt. Null Stress.“ Ich klopfte mir gegen die Stirn. „Ich bin so dämlich. Ich bestelle ferngesteuerte Hubschrauber im Netz, wieso also auch nicht auch die Boxershort.“

Man lernt nie aus.

Ach, und jetzt hab ich schon wieder ein überteuertes Shirt bestellt. Ein Blogger Shirt. Dämlich, oder?
Dafür hab ich jetzt die Story hier.





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