Fernsehmann

Gestern war der Fernsehmann bei uns auf dem Dach.

Damit wir zu dritt unabhängig TV schauen konnten, brauchten wir einen neues Plastikteil vor der Sat-Schüssel. Ein sogenannter LNB. Zum Einzug war bereits einer installiert, allerdings nur für zwei Anschlüsse. Also ging ich in den nächsten Baumarkt und kaufte mir einen mit vier Anschlüsse. Einfach.

Doch nachdem ich das Teil schwierigst auf dem Dach umgeschraubt und ausgetauscht hatte, ging erstmal gar nichts. Das kennen wir woher, oder? Erstmal geht bei mir NIE etwas. Also tat ich gelassen.
Ein wenig herumschrauben, isolieren und die Hoffnung nicht aufgeben. Und zum Schluss hatten wir es erreicht. Ich bekam drei Sender, Herr M. bekam drei Sender und die Kleine bekam EuroSport. Eigentlich gar nicht so schlecht, fand ich, dafür dass es selber gemacht wurde. Doch die anderen zwei waren damit nicht zufrieden.

Also musste der Fernsehmann her. Er ist eigentlich Elektriker, doch er kann auch mit SAT und außerdem kennt man ihn, ist dann ein wenig günstiger. Man kann dann mit Bier anstatt mit Geld bezahlen.

Er kam gestern Abend. Über die Schulter hatte er einen kleinen gelben Stoffkoffer gehängt, im rechten Arm hielt er eine riesen Kabelrolle. „Am besten gleich aufs Dach?“ frage ich ihn unverholen. Der Fernsehmann nickte. Er war in seinem Element.

Als wir oben ankamen, (auf dem Weg zum Dach musste ich ihm lauter Fragen beantworten, wie bei einer Sprechstunde beim Arzt) setzte sich der Fernsehmann vor den SAT und guckte angestrengt auf mein eingebauten LNB. „Hast du ein Multiswitch?“ fragte er ohne Umschweife. „Hä?“ „Dieser LNB funktioniert nur im Zusammenhang mit einem Multiswitch!“ „Ah!“ sagte ich allwissend. „Wieder was gelernt, hier auf dem Dach!“ Ich fragte mich, woher er das wusste, ohne vorher seinen gelben Stoffkoffer aufzumachen. Nach ein paar kurzen Sätzen war klar, ich war der Idiot. Ich hatte den falschen LNB gekauft. „Ich schau dir aber trotzdem, ob die Schüssel richtig eingestellt ist.“ fuhr der Fernsehmann fort. Er schnitt ein Stück Kabel ab, steckte an jedes Ende zwei Anschlüsse und verband damit seinen Stoffkoffer mit dem LNB. Dann drückte er ein paar Knöpfe und auf dem kleinen Bildschirm blitzten verschiedene Fernsehkanäle auf. Darunter stand eine Zahl. 85db. „Die Schüssel ist perfekt ausgerichtet.“ sagte der Fernsehmann zufrieden und fing auch gleich an weiter zu erzählen, obwohl es mich nicht mehr interessierte. Der LNB ist kaputt, fertig. Außerdem ging ein kalter Wind da oben. Mein rechter Fuß rutschte ein wenig auf den Ziegeln, ich hatte Hauspantoffeln an.

Als er alles zusammengepackt hatte, sagte er zum Abschluss: „Wenn doch nur alle Dächer so bequem wären, dann hätte man weniger Probleme mit den Schüsseln!“ Auf diese Floskel wusste ich keine Antwort und erwiderte nur mit einem aufstoßenden Lachen und einem unverständlichen Brummen.





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