fritzi schmidt

Ich suchte heute morgen im Spiegel nach etwas weißem in meinen Augen.
Das einzig weiße in meinem Gesicht war das rote in meinen Augen. usw..

Fritzi Schmidt war der Grund warum ich gestern nach acht noch das Haus verließ. Ein gemütlicher Abend mit ein bisschen von ihrer Musik sollte den Feierabend abschließen.
Es begann auch alles sehr harmlos, das Lokal war sehr klein, das obere Stockwerk diente für Barzwecke, das untere für die Tanzfläche. Im unteren Stockwerk war auch das DJ Zeugs wo Fritzi Schmidt auch gleichmal mit nervösem Glimmstängel im Mund ihre ersten Probeplatten heißlaufen ließ. Die untere Bar war noch nicht geöffnet, vor die Regale, welche mit Flaschen von hochprozentigem voll bestückt waren, hatte man ein riesen Eisengitter vorgeschoben, was gleich ein polnisch, russisches Ambiente mit sich brachte.
Ein kleines Bierchen genossen, während ein Auge immer auf die Uhr schielte. Neun, ok, so wild kann´s nicht werden. Wir quatschten mit nem Jungen, der in der Bar manchmal auch als Barkeeper arbeitet, über Bagatellen, ich ließ mir sagen dass Teile des Lokals früher als Fotostudio gedient haben und das oberhalb der Bar ein großes Bett für die Barcrew steht. Ein Bett für die Barcrew, ich stellte mir das so richtige Gruppendingsmäßig mit Mafia, Nutten und so vor. Sicher falsch verstanden.

Manchmal stand ich auch sehr verloren rum, wenn Herr Kollege seinen WC Besuch veranstaltete. Hier schien sich alles zu kennen. Am Donnerstag noch ein bisschen auf die Kante klopfen war hier stinknormal. Ich kannte niemand. Ich kannte die Schmidt ein bisschen und ihre Freundin ein klein wenig. Die waren aber alle in Gespräche verwickelt. Mit Typen die Seitenscheitel hatten und mit gestreiften, anliegenden Shirts rumliefen.

Um zehn öffnete die Bar unten bei Frau Schmidt und da oben eh alles vollgequetscht war, saßen wir halt da unten an der Bar, ich und Mooky. Mooky ist der Herr Kollege, der eigentlich hier alle kennt und mich mitzerrte. Der kann irgendwie mit jedem, so, klar kommen.
Wenn man auf den Stühlen an der Bar sitzt, dann kommt man sich wie ein zehnjähriger vor. Die Stühle so niedrig, die Bar so hoch. Damit man die Füße erhöht abstützen konnte, hatte man anstatt einer Eisenstange eine riesen Kette eingespannt. Die war beweglich und ich hatte größten Spaß daran, damit rum zuspielen. Inzwischen war ich bei Bier Nummer 5 angelangt. Verflucht war das lecker. Die Mädchen und Jungs hatten mittlerweile große Tanzfreude, Mooky und ich aber nur Trinkfreude. Neben mir saß ein mehliger Mofa-jackenträger, welcher mit seinem Junkieblick auf die Busen der umstehenden Damen glotzte.
Es drängelte sich ein großgewachsener mit seiner Alten zwischen den mehligen und mich. Sie stand mit dem Rücken zu mir und wenn er mit ihr sprach war sein Kopf direkt an ihrem Ohr und damit auch nah neben mir. Er heuchelte irgendwas von Auszeit die er bräuchte, von Privatleben und das er sein Leben im Griff hätte. Total zugedröhnt.
Ich wendete mich wieder König Alkohol zu. Rund um das Glas waren inzwischen Bierpfützen. Schmidt tanzte auf hochtouren hinter dem DJ Pult und ließ Britpop und schrilles Danceambientzeugs Indie-pop und electro-clash laufen.

Meine Backe pochte noch ein wenig, war betäubt von Bier. Mein Blick wurde allmählich trübe und die Kette machte mir inzwischen keinen Spaß mehr, sie war zu einer wackligen Hängebrücke mutiert und ich verhedderte mich wegen dem angefallenem Gleichgewichtsproblem.

Nach dem sechsten Bier saß ich größtenteils alleine da. Mooky gestikulierte wild mit ambitionierten Dj´s aus der Szene und war damit beschäftigt übertriebene Story´s in Umlauf zu bringen.
Ich zog mein Handy. Öffnete den Texteditor. Tippte. Mooky saß plötzlich wieder neben mir und fragte was ich hier mache. Taggen sagte ich wichtig. Taggen? Ja, ich schreibe mir ein paar Stichwörte auf, damit ich morgen das auch erzählen kann, sagte ich wichtig. Taggen halt.

wenn Alkohol Frauen tranken. sitzen. alle. anbieten. betrunken Mädchen.

hab ich geschrieben. Nicht ein Satz könnte ich jetzt damit bilden.

"Kalle!", schrie ich. Kalle ist der Mooky. Nach sieben Bier nennt man ihn aber Kalle. Kalle lässt sich mit schwerer Zunge einfach besser sagen und klingt so kumpelhaft. Außerdem ist der Kalle dann auch wie ein Kalle. Wackelnder Oberkörper, verdrehte Augen, witzige Kommentare. In meinem Bier war noch ein Schluck abgestandener Schaum. Er dreht seinen Kopf zu mir und musste zusehen wie ich mich mit beiden ausgestreckten Armen an der Barplatte festhalte und meinen Oberkörper vor und zurück wippe. Wie ein kleines Kind, dass gehen will. "Kalle!", schrie ich nochmal. "Vielleicht sollte ich jetzt langsam aufhören mit dem Bier, wegen meiner Backe!"

Ich drehte mich Richtung Bar und muss zusehen, wie der Junge, mit dem ich mich anfangs unterhielt, hinter der Bar stand und mir ein frisch gezapftes vor die Nase stellte. Kalle lachte. Ein Mädchen neben ihm schmitze rüber und lachte auch. Ich lachte auch. Aber irgendwie ein verrücktes Lachen. So mit Kopf nach hinten, in einer Hand das Bier und mit der anderen am Tresen festhalten damit man nicht rücklings umkippt. Ich sah ein Elefanten und Gras.

PAM. Zwölf. Ich muss nach hause, dachte ich. Fast schon sturzbetrunken. Morgen arbeiten. Kalle und die anderen waren in voller Partyfahrt. Weiter soll es gehen, in ein anderes Lokal um dort noch ein wenig zu shaken. Ich sträubte und schmollte wie ein Pubertierender. Wo arbeiten die denn alle bloß?

Das nächste Lokal war in einer Tiefgarage. Die Türe lag zwischen zwei Säulen. Wie bei Matrix, glaub ich. Mit Teppich und Türsteher. House und angesagte Dancemusik beschallten die Wände. Ältere Herrschaften wippten mit ihren Kniekehlen und tranken aus schweren Gläsern. Boa war ich voll. Nach einem Rundgang, bei dem ich absolut nichts mehr gespeichert hatte, wars dann soweit. Ab nach Hause ins Bettchen. Frau Schmidt fuhr. Im Kofferraum hatte sie ihre Plattenbox. Silbern und ich glaub, es war ein umgebauter Reisekoffer. Kalle machte sich hinten breit.

Bei der nächsten Tanke raus und scharfen Leberkäsesemmel rein. Zwei mal.

Um halb zwei bin ich dann in einen traumlosen Schlaf gesunken um fünf Stunden später den Wecker kaputtzumachen.

Wah. Na, ich bin ein Spast, unter der Woche geht gar nichts. Gar nichts. TV. Sonst nichts.


Solverat | 1. December 2006 | - Kategorie: History | Tags:, ,



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