Der Postbote

In meinem Büro ist ein Fenster. Da kann ich hinausschauen und die Hecke beobachten. Im Frühling ist sie braun, im Sommer grün und im Winter ist sie weiß. Mehr sehe ich da aber nicht. Obwohl zwischen Fenster und Hecke noch eine Straße liegt. Die ist aber schmal befahren. Fast überhaupt nicht.
Jeden Vormittag um elf aber beobachte ich unseren Postboten. Er ist einer der wenigen, der diese Straße benützt. Er trägt eine dunkelblaue Hose, ein hellblaues Hemd und darüber ein Pullunder. Das ist ja normal. Seltener findet man jedoch Postboten, die noch diese original Mütze tragen. Wie die eines Kapitäns, nur in blau und gold gesticktem Postlogo. Darunter quillt graues Haar und auf seiner Nase klebt eine Brille. Er hat eine braune Tasche umgehängt, aus der immer weiße Briefchen hervorblitzen. Wie aus dem Kinderbuch, denk ich mir.

Manchmal hat der Postbote auch Briefe für uns, manchmal sogar Pakete. Bei den Paketen muss man unterschreiben. Dann bringt der Briefbote ein elektronisches Gerät zum Vorschein, auf dem man mit einem leeren Kuli unterschreibt. Dann ist alles kaputt. Das Ambiente zumindest. So eine Mütze und dieses Gerät gehören nicht zusammen.


Solverat | 4. December 2006 | - Kategorie: History | Tags:, ,



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