Schubladisiert

Es war wieder mal soweit, das ohrenbetäubende Rattern meines 10 mal 10 Zentimeter großen Mobiltelefons, riss mich zu früher Stunde aus der eben gerade begonnenen REM-Phase meines wohl verdienten Schlafes. Auf ein Neues beginnt das tägliche Ritual: "Augenreiben - Strecken - Schmerzen im Rücken, Magen und rechter Nierengegend ignorieren - kurzes Checken des Fernsehers - verschmähtes Grinsen beim Bemerken, dass DSF eingeschaltet war - aufstehen……wieder zurück kippen….aufstehen."

Mit absolutem Pennerblick geht es dann raus auf einen gemütliche Spaziergang Richtung Arbeitsstelle. Doch wie der alte Brauch es verlangt, findet wie immer ab 5. Dezember, bis zu dem Tag an dem ich nicht mehr betrunken bin, der Klosermarkt, in good old Bregenz-City statt.

Natürlich lass ich mir die Chance nicht entgehen, dass dieser schon im vollen Gange ist und somit mische ich mich unter das gemein Volk, um noch schnell etwas in die Unterkiefertaschen einzuschieben. Und wenn ich sage gemeines Volk, dann meine ich gemeines Volk. Ausser Pennern, Arbeitslosen, Sozialschmarotzern, Spaken und Kindern die nicht zur Schule gehen niemand da. Naja, ich eben. Gut getarnt als versoffener Geselle, wie ich nunmal aussehe, steh ich so rum und genieße mein Frühstückskipferl.

Doch wie es das Schicksal mir wieder mal reindrücken muss, kommt alles anders und überhaupt nicht so, wie ich es mir in meinen wildesten Träumen (und die sind echt wild, die handeln von ganz prutalen Sachen und so, also echt schlimm) ausmalen könnte. Von Links: "JOJO! he JOJO!" Ich reagiere natürlich nicht, weil mein Name hat bei Gott nicht im geringsten etwas mit Jojo zu tun. Das eiskalte Händchen packt mich an der Schulter und wider Willen dreh ich mich Richtung Jojo-Geplärr und muss genau in die ach so gepeinigte Gesichtslandschaft dieser armen Kreatur blicken. Beim Anblick der Gesichtsschublade, die wohl vor längerer Zeit mit einer verrosteten Flex bearbeitet wurde, fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren: "Na klar, der Clemens!" Den kennt man von früher. Leider, sehr viel LEIDER.

Schon fragt er mich:" He Jojo, lass uns ein Glühwürmchen trinken auf alte Zeiten?" Ich antworte mit einem kurzen: "Du zahlst." Und nach seinem zustimmenden Kopfnicken, oder eher Gewackel, war ich der Jojo und schwelgte in Erinnerungen, die ich nicht hatte.

Ich weiß nun was es heißt, wenn jemand sagt, der Alkohol kann einen anderen Menschen aus dir machen. Heute habe ich es am eigenen Leib erfahren und irgendwie hab ich ein wohlig angenehm, nach Nelken schmeckendes, warmes Gefühl dabei. Ganz sicher werde ich dieses Jahr noch weitere schöne Augenblicke in der Weihnachtszeit genießen und genau das solltet ihr alle auch tun. Falls wir uns vor dem nächsten Jahr aufgrund übermäßigem Alkoholgenuss nicht mehr lesen sollten, will ich hier allen noch ein herzliches "So du Arschloch, hosch kriegt was wolltesch!" wünschen und natürlich einen guten Rutsch.


Solverat | 5. December 2006 | - Kategorie: History | Tags:,



Verwandte Beiträge: