#9 Bloggen muss man mal gemacht haben

#9 Bloggen muss man mal gemacht haben
Es war ein Sonntagabend kurz vor neun, als ich auch ein Blog haben wollte. Um kurz nach neun hatte ich eines, es stand nichts drin. Ich schrieb einen Eintrag. Es gab keinen Chefredakteur, keinen Duden, keine „60 Zeilen mehr ist nicht drin!“-Ansagen: bloggen fühlte sich an wie Urlaub, nur mit Tastatur. Bis zehn Uhr hatte mein Blog drei Einträge und zwei Fotos. Ich wartete, nichts geschah. Ein Zähler zeigte an, dass mein Blog bisher elfmal aufgerufen wurde. Das war ich selber. Nach dem Zähneputzen schaute ich ein zwölftes Mal nach, las meine Einträge, sah mir die Fotos an, fühlte mich gut unterhalten und ging ins Bett. Am nächsten Tag kam ich erst am Abend dazu, mein Blog zu öffnen, das ich unberührt vorfand. Ich schrieb einen zaghaften Eintrag, mit dem Vermerk, dass ich in den nächsten Tagen nicht bloggen könne, da ich verreisen musste, und entschuldigte mich für diesen Umstand. Der Zähler zeigte vierzehn Aufrufe. Zurückgekehrt von der Reise öffnete ich noch im Mantel mein Blog und schrieb erleichtert: Bin wieder da! Nichts geschah. Nur der Zähler hatte eins weiter gezählt. Ich schrieb keine weiteren Einträge und lud keine Fotos mehr hoch, gewöhnte mir vor verlängerten Wochenenden und bei Bettlägerigkeit aber an, mich kurz in meinem Blog abzumelden. Das bin ich meinen Lesern doch schuldig.

und weitere, acht beachtliche Thesen zur Blogosphäre bei jetzt.de.

Lustig, aber Bloggen ist nicht mehr das, was es mal war. Toplisten bezwingen, die allerneuesten News noch vor den Nachrichten veröffentlichen, tausend andere Blogs durchforsten um Beiträge von ihnen zu verlinken und täglich zwanzig selbst verfasste Einzeiler im eigenen Blog posten, damit der RSS Feed nicht kalt wird. Naja. Alles ein wenig unpersönlich geworden so irgendwie. Auch unter den guten Blogs findet man inzwischen immer öfters < fun, he > Verzweiflungstaten. < / fun, he >


Solverat | 6. December 2006 | - Kategorie: History | Tags:,



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