Glüh und Krank

Momentan fühl ich mich ein wenig krank, von der Grippe gestreift, aber nicht getroffen. Eine nicht verheilte Grippe tötet dich, pflegt meine Mutter immer zu sagen, sie hat nicht unrecht damit. So eine halbe Grippe ist aber auch das schlimmste. Sie zeigt sich in schweren Augenlidern, in Anfällen von Müdigkeit um 15.00 Uhr und im Ekelgefühl nach einer Tasse Kaffee. Und stets in Begleitung mit leichten Kopfschmerzen.

Übermorgen, also Freitag ist Feiertag und der Donnerstag Abend wird zum Independent Day meines Körpers. Ich werde ihn an einen Glühweinstand zerren, ihn mit heißem Billigwein betäuben und zusehen wie die aufgehängten Weihnachtsbeleuchtungen langsam ineinander zu verschmelzen beginnen.
Letztes Jahr hing ich auch an so einer Glühweinbar. Neben dem Mondschein. Mondschein ist ein Penner, ein ganz netter Kerl, seit der Volksschule kenne ich ihn schon. Er stand immer bei irgendwelchen Kiosken und wankte den ganze lieben Tag hin und her. Manchmal sprach er mit uns. Sonnenschein würde er heißen, nicht Mondschein. Mondschein klingt so finster. Dann grinste er und sein faltiges Gesicht wurde noch faltiger bis die Augen verschwanden. Lustig sah das aus.

Mondschein war schon ordentlich besoffen. Als auch ich endlich eine Teetasse von dem heißen Fusel in der Hand hielt war Mondschein verschwunden.
Spät in der Nacht traf ich ihn wieder. Falsch, ich hörte ihn. Ich war auf dem Weg zu einer Imbissbude. "Hambugaaaa…." hörte ich dauernd. "Haaambbbuuuugaaaaaa…!" Als ich in der halbgeöffneten Imbissbude vor der Theke stand, sah ich vorbei am Koch, durch die hintere Türe, welche zum lüften offen stand und erblickte Mondschein, wankend mit einem Plastikbecher in der Hand. Sein Grinsen war drei Meter breit. Er hatte eine schwarze Mütze auf, welche tief in sein Gesicht gezogen war. Ich nickte ihm freundlich zu und grinste ebenfalls. "Haaammbbuuggaaaa…" schrie Mondschein. Die Gäste kicherten. Er machte wohl Werbung für die Frittenbude. Oder er hatte das Wort einfach schon zu oft gehört. Er winkte mir mit aller Kraft zu, eine einladende, zu ihm hinüberwinkende Handbewegung. Er kippte jedesmal fast um, sobald die Hand über seinem Kopf schwebte. Ich ließ es bleiben. Womöglich hätte ich mit ihm noch einen Tetrapack von diesem Nelken getränktem Zeugs gesoffen. Mondschein faltete sein Gesicht und holte Luft. "Haaaammmbbbuuuugaaaaaaaaa"

Morgen, du!


Solverat | 6. December 2006 | - Kategorie: History | Tags:, ,



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