Mittagspause unter Verwandten

Seit meine Tante gestorben ist, steht ihr Mann mit seinen zwei Jungs ein wenig verloren in der neuen Welt.
So versuchen wir uns (wir, die Verwandtschaft eben) so oft als möglich als Hilfe zu integrieren. Und dies manchmal mehr schlecht als recht. Heute Mittag war unsere Oma am Zuge. Sie übernahm das Zubereiten vom Mittagessen. Sie stand um zehn in der Küche vom Herrn Onkel und kochte, was das Zeug hielt.
Auch ich war zu Mittags eingeladen. Um halb eins saßen wir dann zu sechst um den Tisch und genossen leckere Kohlsuppe, während Oma stolz vom Verkauf ihres alten Autos an einen "Schwarzen" erzählte. "Zuerst hab ich dem gar nicht vertraut!" sagte sie kopfschüttelnd. "Aber dann war er eh noch ganz nett, gell Manfred!" schwatzte sie und nickte meinem anderem Onkel zu, der ebenfalls bei unserer geselligen Mittagsrunde anwesend war. Er und sein Sohn. Beide Tischler. Ein schräges Duo. Der Vater, ein gemütlicher Mann Ende vierzig, den die Jugend noch nicht ganz verlassen hat. Das sieht man daran, dass er noch so eine Frisur aus den 70ern trägt. So Manta irgendwie. Nur kurz. Sein Sohn, 22, hat immer noch kein Bartwuchs. Wird langsam dick der Junge.

Sie waren gerade in der Nähe auf der Baustelle, da dachten sie wohl, anstatt Leberkäse vom Supermarkt, lieber mal ein Abstecher in Omas, externe Küche beim Herrn Onkel.
Der Tischlervater und sein Sohn schlürften laut die Kohlsuppe. Sie hatten richtige Tischlerhände, staubig und trocken.
Die ältere Hand der beiden Tischler greift nach dem Salz und streut es auf den Löffel, dann wird verrührt. "Stimmt, zuerst wollte der nur zweihundert für das Auto, aber ich hab ihn schon hochgedrückt auf zweihundertfünfzig!" berichtete er stolz. Er klopfte noch ein wenig Salz auf seinen Löffel. "Aber aufpassen musst du!" Er blickte mich an. "Die bezahlen zwar sofort, das Auto holen sie aber erst ein, zwei Wochen später ab." Den Löffel hielt er nun hoch und wackelte ihn hin und her. "Und wenn du denen die Schlüssel mitgibst, dann steht dir die Karre wochenlang rum!"
"Aber gell Manfred, mein Auto haben sie gleich abgeholt. Am Mittag kam der und am Abend war das Auto schon weg!" meinte Oma stolz.

Es gab Stopfer. Auch Ribel genannt, Vorarlbergerische Spezialität. Hat Oma viel gemacht, früher, im Krieg. Ich liebe Ribel. Während dem Hauptgericht war es still. Nur Oma schwatzte munter drauf los. Ihr Nachbar hat jetzt ein neues Auto. War auch höchste Zeit, meinte sie. Und der Baum neben ihrer Haustüre, der trägt immer noch rote Äpfel. Jeden Tag schaut sie danach. Unglaublich, sagt sie.

Kurz vor eins musste ich wieder los. Oma war glücklich. Konnte sie doch ihre Jungs versorgen. Onkel war nicht so glücklich. Aber doch froh, dass er nicht alleine kochen musste.


Solverat | 12. December 2006 | - Kategorie: History | Tags:, ,



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