vom Erwischt werden

Einer auf die Hupen glotzen und von ihr erwischt werden ist peinlich.
Peinlicher noch, wenn man ihren Namen kennt!

Aber von vorne.
Das Konzert war wie immer beschissen, von den Metalbands aus Vorarlberg erwart ich mir aber auch nie etwas, sie sind einfach alle - und es tut mir leid das dies so ist - grottenschlecht. Die Lieder klingen gewürgt, Synchronisation ist bei ihnen ein Fremdwort und die Bühnenperformance ist in jedem Kirchenchor besser geplant.
Und am Ende wird jegliche Kritik mit einer wirschen Handbewegung aus der Welt geschaffen. "Das gehört so, du hast keine Ahnung." Stimmt. Hab ich wahrscheinlich auch nicht. Ich kenne ja nicht mal die ganzen Klassifizierungen dieser Musikrichtung. Aber ich glaube, und das ist viel schlimmer, die Typen auf der Bühne haben auch kein Schimmer. Pommesgabel raus und alles ist ok. "Hör auf über den zu motzen!" mahnt Herr M. als ich über den Sänger der ersten Band grinsen musste. "Der hat Stil, der ist wenigstens cool!" Sein Geschrei ist trotzdem scheiße, dacht ich.
Ich drehte mich den anderen Jungs zu, sie grinsten. Gernot, der auch gerne Gerntot genannt werden will fragte mich ironisch, warum wir hier sind. Weil das Bier so billig ist, sag ich. Stimmt. Zwei Euro fünfzig für ein halben Liter im Plastikbecher. Das ist ok.

Die vorderste Reihe brachte ihre Köpfe zum Rotieren, die Pommesgabeln traten nun vermehrt auf.
Die zweite Band war mein Favorit. Normalerweise spielt dort auch Herr M. als Bass, doch der darf seit seinem "Zahnbürstenumfall" bis Jänner nicht spielen.

Das ist ja auch eine lustige Geschichte. Herr M. bekam damals von seiner Fastfreundin eine elektrische Zahnbürste geschenkt, er war einmal bei ihr, sah das tolle Gerät (also die Zahnbürste) und wünschte sich gleich auch eine. Als er an diesem Abend mit dem Geschenk nach Hause lief, die Zahnbürste fest in beiden Händen wurde er auf dem Weg von drei freundlichen Ausländern begrüßt. Sie rempeln ihn an, Herr M. stürzt zu Boden. Die Zahnbürste aber ließ er nicht los. "Gib!" sagte einer von den drei Superstarken. "Gib!" Herr M. drückte die Zahnbürste fest an sich und schimpfte wie ein Rohrspatz.
Was die Typen mit der Zahnbürste wollten, weiß ich nicht. Vielleicht war Herr M. aber einfach nur sturzbetrunken, rutschte aus, hatte die Hände in der Jacke verklemmt und knallte blöd auf den Boden. Und als er aufwachte, spinnten seine Erinnerungen diese Geschichte dazu. Ist ja auch egal.

Die zweite Band jedenfalls, legte eine Wahnsinnsshow hin. Da sind manchen die Schubladen bis zu den Kniescheiben aufgegangen.
Herr M., der als Bassist leider nicht mitzocken durfte, beschäftigte sich derweil mit dem T-Shirt Verkauf. Lief auch ganz gut.

Die dritte Band interessierte uns nicht mehr, besser konnten sie eh nicht sein. Lokalwechsel. Citysurf. 10 Euro, 5 Lokale, Shuttlebus. Ganz gut, diese Sache.
Nach zwei Bierchen im Keller wurde mir langsam schummrig. An der Bar dann, machte ich den Fehler des Abends. Den Hupenfehler. Ich war eine Sekunde langsamer als ihr Blick. Und normalerweise mach ich das ja nicht, aber da war irgendetwas an ihrer Kleidung, da musste man hinglotzen. Ich weiß auch nicht. Für andere ein tagtägliches Problem, für mich eine Katastrophe. Ich fühlte mich wie von Mutter beim Onanieren erwischt. Glaub ich jedenfalls, das sich das so anfühlt. Gleich einen trinken. Ein Typ mit Fotoapparat macht Fotos.

Ich fuhr mit drei Hip-Hopper ins nächste Lokal. Woher ich die drei kannte weiß ich nicht mehr. Ich würde sie auch nicht mehr erkennen, wenn sie mich heute ansprechen würden.
Ich irrte ein wenig im Lokal herum und bemerkte, dass ich ja alleine hier bin, warum nur? Ich verspürte Hunger. Zwei Hotdogs mit gerösteten Zwiebeln vom Tom waren genau das richtige. Als ich den letzten Bissen runterschlang, enteckte ich Gerntot. Gernot studiert in Wien und dort trinkt man Ottakringer und so wasserähnliches Zeugs. Das Vorarlberger Bier ist stärker und machte ihm sichtlich zu schaffen. Sein Blick bekam langsam einen silbernen. Er war in Begleitung von einer jungen Blonden. Wir quatschten. Plötzlich quatschte ich mit der Blonden allein.
Ein Mann lief an mir vorbei, um seinen Hals hing ein Alkoholtester. Natürlich musste ich sofort wissen, was so an Alkohol in meinem Blut herumschwimmt. "Das kostet aber!" mahnte mich der Typ. Mundstück rauf, Puste rein. Den Promillewert schreib ich jetzt hier sicherlich nicht, ich sag aber nur soviel: Bis gestern dachte ich, dass man damit nicht mehr unter den Lebenden weilt. Was die Blonde sich dachte, als ich mitten im Gespräch ein Alktest machte, will ich auch nicht wissen. Besser so. War auch sicher kein gutes Gespräch. König Alkohol mischte sich einfach schon zu stark ein.

Nach und nach trudelte der Rest der Sippe ein und wir traten eine zweite Runde im Lokal an. Für fünf Minuten. Dann hatten die anderen Hunger. Und ich auch wieder. Gleich nochmal so ein leckeren HotDog mit gerösteten Zwiebeln. Mir wird ein wenig schlecht, wenn ich das jetzt so Revue passieren lasse.
Der Schluss verlief dann wie immer. Dank Alkohol kennt man keinen mehr, will keinen mehr kennen, alle gehen nach Hause, irgendwie, irgendwann. Verstreut, Zerstreut und kaputt.
Wie immer.


Solverat | 17. December 2006 | - Kategorie: History | Tags:, ,



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