Weihnachtsgeschenke

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Jetzt hab ich mich heut Nachmittag doch glatt selbst überredet, ein paar Weihnachtseinkäufe zu machen. Ich saß im Büro und überlegte zusammen mit Herrn P. was ich jetzt noch so auf die Schnelle organisieren könnte. Viel fiel mir nicht ein. Herr P. surfte im Internet. "Haha, hier gibts tausende Sachen!" frohlockte er. Ich dachte auch an Ideen aus dem Internet, jedoch würde es der Versand nicht mehr rechtzeitig schaffen. So spät wie ich wieder einmal dran bin.

Ich hatte mich gerade innerlich überwunden, heute Abend noch das nächste Einkaufszentrum aufzusuchen, als ich sah, wie Herr P. angestrengt und sehr nah vor dem Bildschirm Zahlen eintippte. Dabei schaute er regelmäßig auf den Tisch. Hat der jetzt schon was gefunden und bestellt oder was, fragte ich mich.
"Sogar ohne Kreditkarte, das geht mit jeder Bankomatkarte!" freute er sich, während er weiterhin angestrengt in die Röhre glotzte. "Was? Was hast du denn? Für deine Frau?" Herr P. lachte. "Das kann ich jedem schenken! Wem ich will!" gluckste er. Er muss tatsächlich was gutes gefunden haben. "Was ist es denn?" quengelte ich. "Scht!" kam forsch zurück. "Ich muss jetzt eine Urkunde basteln!"
Jetzt reichte es. Ich ging rüber an sein Computer und sah auf den Bildschirm. "Regenwald Urkunde" las ich. Herr P. lachte. "Haha, 1000 Quadratmeter für 20 Euro! Genial!" Ich musste lachen. Eigentlich eine wirklich gute Idee. Zu Weihnachten kriegt die Alte ein paar Meter Urwald. Wann bekommt man schon sowas? Ich saß mich zurück an meinen Tisch, während Herr P. weiter himmelte. "Da kannst alles kaufen. Ein Stern oder Grundfläche auf dem Mond, einfach alles!" Mir wird die Idee immer sympathischer. Ein Stern für knapp 90,- Euro der dann mein Künstlername trägt. Wie geil!

Ich hab es dann doch belassen und bin ins Einkaufszentrum. Wenn man alleine durch so ein Einkaufszentrum läuft, fällt einem viel mehr auf. Die Menschen sind alle einkaufstresshässlich. Nur die Fachleute in den Geschäften sind alle hübsch und ruhig. Besonders die Mädchen in den Juweliergeschäften. Vielleicht sollt ich eine Uhr kaufen? Ich verwarf den Gedanken. Wenn ich den Laden betreten würde, würde die hübsche Verkäuferin aus lauter Angst den roten Bullen-rufen-Panzerglas-rauf-und-Stahlgitter-runter Knopf drücken. Denn wie ein Uhrenkäufer sah ich nicht aus. Eher wie ein arbeitsloser Security mit zu großer Jacke.

Also kaufte ich ein paar andere Sachen. In ein paar anderen Läden, mit nicht so hübschen Verkäuferinnen. Suchen, nehmen, zahlen. Und wenn ich dann die Bankomatkarte aus dem gierigem Mund des Automaten zog, warf ich der Verkäuferin noch ein lockiges "Frohes Fest!" an den Kopf. Von denen bekam ich aber nie eine Antwort. Entweder hörten sie das fünfzigtausend Mal am Tag, waren im Stress oder freuten sich nur noch auf ihren Sommerurlaub, weit weg von den einkaufstresshässlichen. Vermutlich aus allen drei Gründen.

Nach zwei Stunden war alles/ich erledigt. Sogar Geschenkpapier hatte ich gekauft. Für 2.50! Rein ins Auto, rein in Stau, rauf auf die Autobahn. Weg. Weg. Weg.

Die Geschenke liegen nun sicher versteckt meinem Büro. Morgen wird verpackt.


Solverat | 21. December 2006 | - Kategorie: History | Tags:, ,



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