destroid

Heute Morgen um halb acht ins Bett gekrochen.

Man kennt ja das alles. Im Radio wird man vorgewarnt. Im Fernsehn wird darüber gespöttelt, die Zeitungen drucken davon. Die Weihnachtsfeier. Jedes Jahr immer wieder ein peinliches Erlebnis.

Dieses Jahr war es dann aber doch nur halb so schlimm. Halb.
Wenn die Mitarbeiter aus unserer Firma auf einer Party zusammensitzen, kann das Rundenschweigen schon mal eine mega Stimmung aufbringen. Fügt man aber Alkohol hinzu, fängt die Meute an zu spinnen.
Wie jedes Jahr versammelten wir uns in einem rustikalen Gasthaus, ziemlich abgelegen im Wald. Der Saal war holzig, uralt und schön. Mit einem Fruchtcocktail in der Hand saß ich mich neben Herrn P.
Der Chef hielt eine kleine Eröffnungsrede und eröffnete das Buffet.
Garnelen, Käse, Speck, verschiedene Salatsorten und was weiß der Kuckuck noch alles. Zuerst dachte ich, das Buffet bleibt ein Buffet. Kalte Platte. War aber nicht so. Nachdem ich eine Babel ähnlich große Portion gegessen hatte, entpuppte sich das Buffet zum Vorspeisebuffet. Das war noch gar nicht alles. Der Hauptgang wurde serviert. Spieß mit Gemüsestückchen. Dazu Potatoe Wedges. Und Bier. Bier war immer dabei. Und das schmecke auch. Danach wieder eine kleine Ansprache von der Chefseite. Man redet gern über ein gutes Jahr, eh klar. Der Seniorchef machte seine Runden. Sein größtes Anliegen war es, dass jeder mit, von ihm ausgesuchten, Wein versorgt war. Rot oder Weiß. Hauptsache die Gläser waren voll. Wolfi mochte er besonders gern. Der mochte nämlich wiederum gerne Wein. Literweise. Bei ihm glänzten die Seniorchefaugen. Ein Weinkenner und Genießer. Der einzige, welcher nach dem Namen des Weines fragte. Sowas trifft mitten ins Herz eines Hobbywinzers. Wolfi trank wirklich sehr genußvoll. Der Kopf leicht zurück, die rechte Hand fuhr das Glas zum Mund, die linke auf dem Tisch zum Ballen geformt, der kleine Finger ausgestreckt. Früher oder später aber verdusselte der Wein auch Wolfi´s Kopf. Und so begann er plötzlich einen angefeuchteten Finger über das Glas zu reiben. Wir waren hin und weg. Herr T., ein seltsamer Mitarbeiter und begnadeter Taxifahrer, stoß ein "Mein Leben lang versuch ich das schon. Jetzt kann ich beruhigt sterben!" aus. Sogleich mussten wir das ausprobieren. Und so kam es, das der Chef vom Pissen kam und dachte, er sieht nicht richtig. Bzw. hört. Da sitzen fünf besoffene Kerle am Tisch, drehen an den teuren Gläsern und lachen wie kleine Kinder.
Meine Fresse, was haben wir da oben Bier gesoffen. Und Wein. Und Schnaps.
Als die Nachspeise aufgetischt wurde, hatte ich bereits ein sehr vollen Bauch, mein Blick war ein wenig schief und ich sprach wieder wie Helge Schneider. Ein altes Leiden, zugezogen bei einem gleichnamigen DVD Abend.
Auf einer Schieferplatte - unlustige Flinstoneswitze über Kiesel und Schiefer folgten - wurde liebevoll Zimteis und Pflaumenmus serviert. Runter damit, in meine Garnelen-Käse-Salat-Spieß-Wedges-Biersuppe.

Um eins zog es uns dann ins Kellergewölbe. In die Hauseigene Bar. Diese war von außen separat betretbar und in dem kleinen Dorf ein Platz zum saufen. So saßen ca. zwanzig Burschen in dem kleinen Raum und tranken ziemlich lustlos ihr Bier. Alle hatten einen Militärschnitt und trugen Holzfällerhemden. Sehr klassisch. Wir nahmen ganz hinten Platz und bestellten Rum-Cola. Wolfi saß an der Bar und hatte schon wieder ein Weinglas in der Hand. Vermutlich hat er es runtergeschmuggelt. Neben ihm saß ein Zwerg, reiferen Alters. Seine Augen waren zugekniffen. Kennst den "Zack" Michalowski? Wenn der sich als besoffenen Penner verkleidet sieht er genauso aus wie der Zwerg. Nur war der Zwerg wirklich hackedicht und hielt sich wankend an der Bar fest. Langsam rutschte er dem Wolfi näher. Eine Hand zog den kleinen Körper, die andere schleifte das Bier an der Bar nach. Ich konnte nicht hören, was er Wolfi ins Ohr lallte, war aber bestimmt nicht sehr informativ. Informativ war höchstens die DNA vom Sabber, welche der Zwerg in Wolfi´s Ohr spuckte. Nach ca. zehn Minuten hob der Zwerg sein halbvolles Bier und leerte den Inhalt in das Weinglas vom Wolfi. Der Wein schäumte. Er wusste wahrscheinlich selbst nicht, warum er das tat. Wir auf jedenfall, konnten das nicht ungestraft belassen. "Du nimmst ihn an den Händen, ich an den Beinen und du machst den Weg frei!" holperte Herr T. und zeigte dabei auf mich und Herr P. Er ging los und packte den Zwerg am Arm. Herr T. ist ein ziemlich großer, stämmiger Kerl und braucht viel Platz, den er in dieser Bar nicht hatte. Als er den Zwerg in der Hand hatte und sich drehte, schmiss er ein Glas am Mädchentisch um. Unsere weiblichen Mitarbeiterinnen kreischten. Herr T. war ein wenig verwirrt, ließ den kleinen los, warnte ihm ins Ohr und verzog sich wieder in unsere Richtung. War das ein Spektakel. Herr P. lachte und bestellte noch mehr Rum.

Ich brauchte geschlagene vier Stunden, diesen Beitrag fertig zu schreiben. Meine komplette Motorik ist im Arsch. Ich spielte dazwischen Cursor Thief, aß etwas und trank liteweise Tee und Wasser. Mein Schnupfen hat sich über Nacht ein wenig verschlechtert, ich fühl mich immer noch gerädert. Wie ein Krieger aus einer Schlacht, an die er sich nicht mehr erinnern kann. Zum Glück liegt eine Woche Urlaub vor mir. Hat was gutes.


Solverat | 23. December 2006 | - Kategorie: History | Tags:,



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