Das Ahornbäumchen

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Sehr trostlos momentan. Dieses Bäumchen sollte jetzt eigentlich mit Schnee bedeckt und nicht so nackt von Nebelschwaden umgeben sein. Das Bäumchen hatte ich gepflanzt als ich 5 Jahre alt war. Oder 6. Jedenfalls hatte ich schon meinen eigenen, braunen Arbeiteranzug, eine eigene Schaufel und einen eigenen Kübel. Auf das Zeugs war ich vielleicht stolz.

Das Bäumchen hatte ich damals im Wald ausgerissen und ihn in den Garten geschleppt. Früher, neben dem jetzigen Bäumchen, da stand einmal ein riesen Ahornbaum. Mein Vater war eigentlich ganz froh, als er ihn dann fällen musste. Denn der machte einen heiden Blattdreck. Und nicht nur das. Im Sommer war alles schattig und kalt und im Winter brachen seine alten Äste, von denen manche aufs Dach knallten und Ziegel zerstörten.
Doch die Freude meines Vaters währte nicht lange. Zwei Monate später kam ich mit einem dünnen Stöckchen angelaufen. Das Stöckchen hatte zwei Wurzeln und einen abgebrochen Ast. Der war mir beim rausreißen kaputtgegangen. Das Bäumchen. Mein Vater überwand sich und ließ mich machen. Er hatte wohl geglaubt, dieser zerrupfte Stock würde eh nicht überleben. Da kannte er mich aber schlecht. Ich hatte damals einen grünen Daumen. Oder das Ahornbäumchen war hart im Nehmen. Eins von beiden.

Seit ein paar Jahren hat er nun eine vernüftige Größe und spendet im Sommer schönen Schatten. Und im frühen Herbst klingen dann liebliche Schimpfwörter meines Vaters durch den Garten, wenn ihm beim Rasenmähen die ganzen Ahornblätter den Rasen versauen.


Solverat | 28. December 2006 | - Kategorie: History | Tags:, ,



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